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PRESSEMITTEILUNG vom Bund der Freien Waldorfschulen für einen faktenbasierten Diskurs zur Covid-19-Pandemie an Schulen

Hamburg, 22.06.2020

Waldorfschulen verfolgen mit ihrem Motto „Learn to change the World" das Ziel, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, mündige und sozial verantwortliche Gestalter:innen der Welt zu werden. Der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) empfiehlt dringend, die Corona-Krise zum Gegenstand eines faktenbasierten Diskurses mit den älteren Schüler:innen zu machen, um der Verbreitung von Verschwörungsmythen entgegenzuwirken.

Die gesellschaftliche Debatte über die medizinischen, politischen und administrativen Strategien in Folge der Covid-19 Pandemie ist angesichts der tiefgreifenden Auswirkungen für das persönliche und öffentliche Leben, das Bildungs- und Kulturleben, das Wirtschaftsleben und die Sicherung der Grund- und Freiheitsrechte eine demokratische Notwendigkeit und erfordert gerade von Schule und Erziehung einen vernunftbasierten und offenen Umgang.

„Schulen sollten diese weltweite und alle Menschen betreffende Krise zum Anlass nehmen, mit ihren Schüler:innen über die Grundvoraussetzungen demokratischer Debattenkultur, parlamentarischer Entscheidungswege sowie über historische Errungenschaften wie die Gewaltenteilung und die Grundrechte zu arbeiten" so Henning Kullak-Ublick, Vorstand und Sprecher des BdFWS. Ökologische und ökonomische Fragen gehörten ebenso in diesen Kanon wie die Reflexion der Erfahrungen mit „Distance Learning" sowie das Gespräch über die Roll der Digitalisierung in der gegenwärtigen Krise. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie bedürften selbstverständlich einer fortlaufenden und transparenten demokratischen Kontrolle.

„Sorge bereitet uns allerdings, dass sich zunehmend Verlautbarungen in den gesellschaftlichen Diskurs mischen, die einzelnen Akteuren oder Gruppen von Menschen eine gezielte, von unlauteren Strategien getriebene Verantwortung für die Krise zuschreiben."

Das verwundere einerseits nicht, weil Krisenzeiten schon immer ein Nährboden für Verschwörungsmythen gewesen seien. Der Blick in die Vergangenheit zeige aber auch, wie populistische Extremisten die Unsicherheiten historischer Krisen nutzten, um ihre antidemokratische Agenda durchzusetzen. Ein solcher Vorgang sei gegenwärtig wieder zu beobachten, wenn rechtsextreme oder andere verfassungsfeindliche Gruppierungen sich in den Kanon derjenigen mischten, die ihre Besorgnis zum Ausdruck bringen wollten.

„Es ist daher umso wichtiger, dass in den Schulen die demokratischen Kontroll- und Mitwirkungsmöglichkeiten bearbeitet und verständlich erklärt werden", betont Kullak-Ublick. „Verschwörungsmythen verlieren ihre suggestive Macht, wenn ihre argumentativen Ketten und Zirkelschlüsse analysiert werden. Dazu gehört natürlich, dass gesellschaftliche Konflikte im Unterrichtsgespräch behandelt werden. Der beste Schutz vor ideologischer Vereinnahmung ist immer noch die Kenntnis der Fakten."

In den letzten Wochen gab es vereinzelt Berichte über Mitarbeiter:innen an Waldorfschulen, die Verschwörungsmythen verbreiten. Von diesen Meinungsäußerungen distanziert sich der Vorstand des BdFWS ausdrücklich. „Natürlich wird auch bei uns, wie überall, über die Corona-Maßnahmen diskutiert." Derartige Spekulationen seien aber in keiner Weise repräsentativ für die Waldorfschulen. „Wir empfehlen unseren Mitgliedern die oben beschriebenen pädagogischen Wege, die Funktionsweise moderner Gesellschaften zu verstehen und die Schüler:innen auf diese Weise zu befähigen, eine eigenständige, faktenbasierte Urteilskraft zu entwickeln."


Eine Stellungnahme des BdFWS zu Covid-19 ist auf der Homepage des BdFWS veröffentlicht:

www.waldorfschule.de/service/corona-faq/

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